Ein Logo neben dem Absender in der Nachrichtenliste: Das ist das Versprechen von BIMI (Brand Indicators for Message Identification). Hinter diesem Sichtbarkeitsgewinn stehen eine technische Voraussetzung — eine einwandfreie Authentifizierung — und, bei den meisten Mailanbietern, ein kostenpflichtiges Zertifikat. Dieser Leitfaden erklärt die Voraussetzungen, das Logoformat und die zu veröffentlichenden Einträge.
Was BIMI im Posteingang verändert
BIMI ist ein offener Standard, mit dem ein Mailanbieter das offizielle Logo einer Marke neben deren E-Mails anzeigen kann — sowohl in der Nachrichtenliste als auch in der Kopfzeile der geöffneten Nachricht. Das Ziel ist zweifach: die Markenwiedererkennung stärken und der empfangenden Person ein visuelles Signal für Echtheit geben, das schwerer zu fälschen ist als ein bloßer Absendername.
BIMI ersetzt nichts: Es ist eine Schicht über der bestehenden Authentifizierung. Ohne korrekt konfiguriertes SPF, DKIM und DMARC erscheint kein Logo. BIMI belohnt Domains, die bereits sauber sind; es repariert nicht jene, die es nicht sind.
Die zwingende Voraussetzung: eine ausgerichtete Authentifizierung
Die Eintrittsbedingung ist ein DMARC in strenger Durchsetzung. Die veröffentlichte Richtlinie muss p=quarantine oder p=reject lauten, mit pct=100: Eine Richtlinie mit p=none genügt nicht. Hier bleiben die meisten Projekte hängen, denn eine Domain auf reject umzustellen, ohne legitimen Versand zu zerstören, erfordert eine Phase, in der die DMARC-Berichte beobachtet werden.
Eine Domain, die noch regelmäßig im Spam-Ordner landet, ist ohnehin nicht bereit für BIMI: Besser zuerst die Ursachen der Spam-Einordnung angehen, bevor man ein Logo in Betracht zieht.
BIMI belohnt bereits saubere Domains; es rettet keine fehlerhafte Authentifizierung.
VMC oder CMC: zwei Zertifikate, zwei Anzeigestufen
Die meisten großen Anbieter verlangen ein Zertifikat, das bescheinigt, dass die Marke das Logo verwenden darf. Zwei Arten existieren nebeneinander.
| Kriterium | VMC (Verified Mark Certificate) | CMC (Common Mark Certificate) |
|---|---|---|
| Erforderlicher Nachweis | Eingetragene Marke | Durchgehende Logonutzung seit mindestens 12 Monaten |
| Anzeige in Gmail | Logo + blaues Verifizierungshäkchen | Logo (Marken-Avatar), ohne Häkchen |
| Apple Mail | Unterstützt | Unterstützt |
| Gültigkeit | Höchstens 397 Tage | Höchstens 397 Tage |
Die Wahl hängt vom Markenportfolio ab: Ein Unternehmen ohne eingetragene Marke kann ein CMC anstreben, um das Logo anzeigen zu lassen — ohne das dem VMC vorbehaltene blaue Häkchen.
Das Logo vorbereiten: das Format SVG Tiny PS
Das Logo muss eine SVG-Datei im Profil SVG Tiny Portable/Secure (SVG Tiny PS) sein, quadratisch, über HTTPS ausgeliefert und vorzugsweise unter 32 KB. Dieses Profil verbietet Skripte, Animationen und externe Referenzen: Ein von einem Designwerkzeug exportiertes SVG muss fast immer vor der Veröffentlichung bereinigt werden.
Zu beachten: Ein gewöhnliches SVG ist kein SVG Tiny PS. Man muss die verbotenen Elemente entfernen (<script>, externe Stylesheets, Editor-Metadaten), das Profil baseProfile="tiny-ps" deklarieren und prüfen, dass die Grafik in ein Quadrat passt. Ein nicht konformes Logo wird vom Anbieter einfach ignoriert, ohne Fehlermeldung.
Den BIMI-DNS-Eintrag veröffentlichen
Der Eintrag wird auf dem Selektor default._bimi der Domain als TXT-Eintrag veröffentlicht. Er verweist auf das Logo (l=) und, wenn ein Zertifikat verwendet wird, auf dieses (a=).
; Politique DMARC en application stricte (prerequis)
_dmarc.exemple.fr. IN TXT "v=DMARC1; p=reject; pct=100; rua=mailto:[email protected]"
; Enregistrement BIMI : logo + certificat
default._bimi.exemple.fr. IN TXT "v=BIMI1; l=https://exemple.fr/bimi/logo.svg; a=https://exemple.fr/bimi/vmc.pem"Das Tag l= ist verpflichtend; das Tag a= ist es faktisch für Gmail und Apple Mail, die das Logo erst nach Prüfung des Zertifikats anzeigen. Ist der Eintrag veröffentlicht, empfiehlt sich eine Kontrolle:
$ dig +short TXT default._bimi.exemple.fr
"v=BIMI1; l=https://exemple.fr/bimi/logo.svg; a=https://exemple.fr/bimi/vmc.pem"Anbieterunterstützung und häufige Fallstricke
Gmail zeigt das Logo, sofern ein gültiges VMC oder CMC den Eintrag begleitet. Apple Mail unterstützt BIMI ab iOS 16, iPadOS 16 und macOS Ventura sowie auf iCloud.com. Yahoo Mail zeigt das Logo ohne Zertifikat an, empfiehlt aber eines. Propagationszeiten und das Caching aufseiten der Anbieter führen dazu, dass ein Logo mehrere Tage bis zum Erscheinen brauchen kann.
Drei Fallstricke treten häufig auf: ein DMARC, das auf p=none geblieben ist, ein SVG, das nicht dem Tiny-PS-Profil entspricht, und ein abgelaufenes Zertifikat — seine auf 397 Tage begrenzte Gültigkeit erzwingt eine jährliche Erneuerung, die leicht vergessen wird.
Was man mitnehmen sollte
BIMI ist an sich kein Zustellbarkeitshebel: Es ist die visuelle Belohnung für eine bereits solide Authentifizierung. Der Weg ist geradlinig — SPF, DKIM und DMARC ausrichten, DMARC auf quarantine oder reject stellen, ein SVG-Tiny-PS-Logo vorbereiten, ein VMC oder CMC beschaffen und dann den Eintrag default._bimi veröffentlichen. Ohne Zertifikat bleibt die Anzeige auf einige Anbieter beschränkt; mit einem VMC ergänzt Gmail das blaue Häkchen.
Ich rate selten dazu, mit BIMI zu beginnen. Wenn mir ein Kunde sagt, er wolle „sein Logo in Gmail sehen“, schaue ich zuerst auf seine DMARC-Berichte: In neun von zehn Fällen steht die Domain noch nicht auf reject — und genau dort liegt die eigentliche Arbeit. BIMI kommt zum Schluss, wie das Sahnehäubchen: gut für die Marke, aber erst, wenn das Authentifizierungsfundament verriegelt ist. — Simon Janvier
Weiterführend: die offizielle Dokumentation der BIMI Group.
