Die Wahl eines Content-Management-Systems bindet ein Projekt über mehrere Jahre: Baukosten, Wartungskosten, Verfügbarkeit von Fachkräften, Entwicklungsfähigkeit. Dieser Leitfaden vergleicht WordPress, Drupal und PrestaShop anhand der Kriterien, die tatsächlich entscheiden, und bietet ein Entscheidungsraster für die Projektklärung.
Das entscheidende Kriterium: die Struktur der Inhalte
Vor jedem Funktionsvergleich trennt eine einzige Frage die Werkzeugfamilien: Sind die Inhalte strukturiert oder redaktionell?
- Redaktionell — Artikel, Seiten, einige Taxonomien. Der Bedarf ist, schnell und oft zu veröffentlichen.
- Strukturiert — verschachtelte Typen, Beziehungen zwischen Entitäten, Freigabeprozesse, Rechte je Rolle, anspruchsvolle Mehrsprachigkeit. Der Bedarf ist, richtig zu modellieren.
Ein redaktionelles Projekt mit einem Modellierungswerkzeug kostet viel für nichts. Ein strukturiertes Projekt mit einem redaktionellen Werkzeug endet als Ansammlung von Erweiterungen, die kein Team übernehmen will.
Der Vergleich
| Kriterium | WordPress | Drupal (CMS / 11) | PrestaShop |
|---|---|---|---|
| Einstieg | Unschlagbar | Seit Drupal CMS vertretbar | Mittel |
| Inhaltsmodellierung | Erweiterungen (ACF und Ähnliches) | Ausgezeichnet, nativ | Katalogorientiert |
| Feingranulare Rechte | Ohne Erweiterungen begrenzt | Nativ, granular | Nativ (Mitarbeiterprofile) |
| Mehrsprachigkeit | Erweiterung (Polylang, WPML) | Im Kern | Im Kern |
| Ökosystem | Sehr umfangreich | Kleiner | Auf Handel spezialisiert |
| Kosten eines kleinen Projekts | Niedrig | Hoch | Mittel |
| Robustheit im Großen | Abhängig von der Disziplin | Überlegen | Gut beim Katalog |
| Verfügbarkeit von Fachkräften | Sehr breit | Knapp und teuer | Mittel |
WordPress: die Standardwahl, und was sie schwächt
WordPress bleibt für die meisten redaktionellen Projekte die vernünftige Wahl: schnelle Umsetzung, niedrige Einstiegskosten, ein sehr großer Fachkräftepool. Seine Schwäche ist bekannt und behandelbar: die Anhäufung von Erweiterungen.
Zwei Praktiken verändern die Fünf-Jahres-Bahn eines WordPress-Projekts:
- Abhängigkeiten verwalten, statt aus dem Backend zu installieren — eine Projektstruktur wie Bedrock macht das Deployment reproduzierbar und die Historie lesbar.
- Erweiterungen als Schuld zählen: Jede aktivierte Erweiterung lädt Ressourcen auf allen Seiten und wird bei jedem Versionssprung zur Bruchstelle.
Die Frage ist nicht, zwischen WordPress und Drupal Partei zu ergreifen, sondern das Werkzeug auf die tatsächliche Natur des Projekts abzustimmen.
Drupal: sinnvoll, unter Bedingungen
Drupal hat mit Drupal CMS ein anderes Gesicht bekommen — der im Januar 2025 veröffentlichten einsatzfertigen Distribution mit Recipes und Experience Builder. Modellierung, Rechte und Mehrsprachigkeit bleiben seine strukturellen Stärken.
Seine Schwäche ist nicht technisch, sondern personell: Eine erfahrene Drupal-Entwicklerin zu gewinnen kostet mehr und dauert länger. Dieser Punkt wiegt im Angebot ebenso schwer wie bei der Übernahme eines Projekts — und stellt sich vor der technischen Entscheidung.
PrestaShop: der E-Commerce-Fall
Für einen Shop, dessen Katalog das Kerngeschäft ist — Varianten, Kombinationen, Preisregeln, Versanddienstleister, Buchhaltung —, behält ein natives Handelswerkzeug den Vorteil gegenüber einer auf ein redaktionelles CMS aufgepfropften Erweiterung. Die realen Kosten liegen in großen Versionssprüngen und der Pflege von Drittmodulen und müssen von Beginn an eingeplant werden.
Entscheidungsraster
| Situation | Standardwahl |
|---|---|
| Redaktionelle Website, schneller Start, knappes Budget | WordPress |
| Medium mit täglicher Produktion und Mehrsprachigkeit | WordPress mit beherrschter Mehrsprachigkeits-Erweiterung |
| Institution, öffentlicher Sektor, Hochschule | Drupal |
| Redaktionelle Anwendung mit komplexer Modellierung | Drupal |
| Shop, dessen Katalog das Geschäft ist | PrestaShop |
| Shop als Anbau an eine Content-Website | WordPress mit Handelsebene |
| Kein laufendes Wartungsbudget | WordPress, und sonst nichts |
Fragen an den Kunden vor der Entscheidung
- Wer pflegt die Website in drei Jahren, und mit welchem Budget?
- Hat der Inhalt Beziehungen zwischen Entitäten oder nur Kategorien?
- Wie viele verschiedene Rollen wirken an der Veröffentlichung mit?
- Ist Mehrsprachigkeit eine Übersetzung oder unterschiedlicher Inhalt je Markt?
- Wie hoch ist die Toleranz für Ausfallzeit bei Versionssprüngen?
Die Antworten auf diese fünf Fragen bestimmen die Wahl verlässlicher als jeder Funktionsvergleich.
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